Die Situation
Die Situation im Norden
Aids ist wie die Pest durch die Dörfer gezogen und hat viele Waisen hinterlassen. Andere Kinder sind von flüchtenden Angehörigen aufgegeben worden. Kinderarbeit ist weit verbreitet, desgleichen Kinderhandel. Das Gebiet war einer der Hauptschauplätze des 'Drogenkrieges' der Regierung Thaksin, bei dem etwa 2500 Menschen getötet wurden. Zu den Schlüsselproblemen der Region zählen:
• zum Teil extreme Armut insbesondere der Bergstämme,
• ein ausgedehnter informeller ökonomischer Sektor mit Arbeitslosigkeit bzw. Unterbeschäftigung,
• Drogenhandel von Myanmar her,
• Vernichtung von Waldbeständen durch Brandrodung,
• Korruption,
• Prostitution,
• Aids,
• mangelnder Zugang der Armen zur Gesundheitsversorgung.
In der Folge dieser Problemkonstellationen gibt es zahlreiche Kinder, oft ohne Angehörige, die durch Kinderarbeit, auf Müllkippen, durch Betteln, Stehlen oder Prostitution zu überleben versuchen.
Tsunami – die Situation im Süden
Es blieb unklar, wie viele Kinder starben. Im Ortskern von Namkem wurden etwa fünfzig Waisenkinder registriert, in der Region sind es mehrere hundert. Es gibt eine große Anzahl von Menschen, die ihre Partner verloren haben. Großeltern, die auf die Unterstützung ihrer Kinder angewiesen waren, wussten nicht, wie sie überleben werden. Es ging darum, viele Schicksale aufzuspüren und Wege einzuschlagen, die den Menschen nachhaltig und langfristig helfen und ihnen neue Perspektiven eröffnen können.
Während der Woche wurden etwa fünfzig Kinder, an den Wochenenden weit über hundert Kinder erfasst. Auch Erwachsene, die besonders traumatisiert waren, wurden betreut. Viele Dialoge wurden mit Überlebenden geführt, um die Zielrichtung eines Entwicklungsprojektes zu identifizieren und miteinander die nächsten Schritte abzustimmen. Eine neue "School for Life under the tree" gewann Kontur.
Der Bremer Unternehmer und Geschäftsführer der Beluga Shipping GmbH, Niels Stolberg, kam – einer Empfehlung der deutschen Bundesregierung folgend – nach Namkem und sagte zu, eine Beluga School for Life zu finanzieren und auf zehn Jahre zu sichern. Sie ist auf 180 Kinder und 50 Erwachsene angelegt und nahm im Frühjahr 2006 ihren Betrieb auf.
Auch die School for Life in Chiang Mai übernahm eine Gruppe von Kindern und Erwachsenen. Diese Gruppe hatte Chiang Mai zunächst besucht und mit den dortigen Kindern und Erwachsenen ein gemeinsames Sommercamp erlebt. Sie entschied sich dann, zunächst ein Jahr in Chiang Mai zu bleiben. Ein Teil der Gruppe kehrte im April 2006 in den Süden zurück, um die inzwischen fertig gestellte Beluga School for Life zu besuchen, während sich ein anderer Teil entschied, auf Dauer in Chiang Mai zu bleiben.


